Das Meer schlägt wild um sich und kracht gegen die Deiche und Dünen um die gesamte Insel herum. Der Wind rüttelt wütend an den Strandpavillons. Im Januar und Februar kann es auf Texel ordentlich stürmen. Vier Orte auf Texel, die eine eindrucksvolle Aussicht auf den Sturm bieten und an denen man fühlen kann, wie heftig (und herrlich) der Sturm auf Texel ist.

 

Wann spricht man eigentlich von Sturm? Windstärke 9 ist laut der Beaufort-Skala, die ihren Namen dem britischen Admiral und Hydrographen Sir Francis Beaufort (* 07. Mai 1774 ✝ 17. Dezember 1857) verdankt, ein echter Sturm. Wenn der Wind mit einer Stärke von 10 Bft über das Land und das Meer saust, dann befinden wir uns schon in einem schweren Sturm. Windstärke 11 bedeutet orkanartiger Sturm und bei Windstärke 12 heißt es Orkan. Letzteres kommt in unseren Breitengraden glücklicherweise nur selten vor. Der letzte Orkan der über niederländischem Hoheitsgebiet wütete, verwüstete Sint Martin, ein Teil der niederländischen Antillen.

Warum ist der Sturm an den Küsten stärker als im Inland?

Eigentlich ist die Erklärung dafür recht simpel. Der Wind hat an der Küste und auf dem Meer genügend Platz um eine hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Es gibt auf hoher See fast keine Hindernisse oder Reibungen mit der Erdoberfläche, die das Tempo des Windes bremsen könnten. Laut Messungen im Inland im näheren Umkreis von De Bilt, braust ungefähr alle 70 Jahre ein richtiger Sturm dort vorbei. An der Küste, zum Beispiel auf Texel, stürmt es mehrmals im Jahr.
Mögen Sie Stürme? Schauen Sie sich gerne, eingekuschelt in einer warmen Jacke, das tosende Meer, die weißen Schaumkronen und den dunklen Unwetter-Wolkenhimmel an? Dann finden Sie Ihr Glück auf Texel. Gerade im Januar und im Februar ist Texel der perfekte Ort für alle Sturmjäger.

Stürme in “De Texelse Slufter"

Das Gebiet “De Slufter” ist der stille Beweis dafür, dass das Meer im Kampf ums Festland doch immer noch das letzte Wort hat. In der Vergangenheit haben viele Bauern versucht, diese einzige Öffnung in den Küstendeichen von Texel zu schließen, damit sie das Gebiet dahinter als Weideland für ihr Vieh nutzen können. Diese unberechenbare Nordsee hat ihnen dabei aber oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachdem der Deich mehrere Male gebrochen war, gaben die Bauern ihr Vorhaben schließlich auf und überließen das Gebiet den Gewalten des Meeres. Im Nachhinein betrachtet, war das auch die beste Lösung, denn “De Slufter” ist auf Texel eine wunderschöne Quellerzone, die ein Zuhause für ganz besondere Pflanzenarten bietet, wie zum Beispiel dem Queller oder dem gewöhnlichen Strandflieder, der im August seine wundervolle, lilafarbene Pracht zeigt. Im Sommer kann man in diesen Gebieten von der Aussichtsplattform aus auch schon mal eine Sumpfohreule auf einen der vielen Pfähle sitzen und Ausschau nach Beute halten sehen. Diese Aussichtsplattform sollten Sie auch aufsuchen, wenn es so richtig anfängt zu stürmen. Wenn der Wind vom Meer in Richtung Festland bläst, dann sprüht das Meerwasser bis zu den ersten Stufen der Plattform. Die Quellerzone verändert sich an solchen Tagen schlagartig von einem wunderhübschen Wandergebiet, mit seinen kleinen Bächlein und Wegen, in ein Stück stürmische See. Möchten Sie fühlen, wie der Wind an Ihrer Jacke zieht, sehen, was der sprichwörtlich atemberaubende Wind mit dem Küstengebiet anstellt? Steigen Sie dann über die große Treppe hinauf auf die Dünen, hoch zum „De Slufter“. Sie werden nicht glauben, was Sie dort zu sehen bekommen. Falls Sie sich fragen, ob so ein Naturschutzgebiet sich nach einem heftigen Sturm wohl wieder erholt, dann kann ich Sie beruhigen. „De Slufter”, mit all seinen Pflanzen und Tieren, ist die zerstörerischen Kräfte der See gewöhnt und regeneriert sich nach jedem Sturm aufs Neue. Diese Ereignisse gehören zu diesem Gebiet, wie die Jahreszeiten zu den Niederlanden.

Sich winzig klein aber trotzdem sicher fühlen auf dem TESO-Fährboot

Wer in den 1980ern und 1990ern bereits einmal mit der Fähre von Den Helder nach Texel gefahren ist, hat es vielleicht schon einmal miterleben dürfen: Kaffeetassen, die bei einem heftigen Sturm über den Tischen hin und her geschoben wurden. Auf den inzwischen viel stabileren Fährboten Schulpengat, Dokter Wagenmaker und Molengat 2 passiert so etwas schon lange nicht mehr. Trotzdem kann man auf der Fähre von und nach Texel bei starkem Wind noch eindrucksvolle Erlebnisse haben. Die schmale Fahrrinne “Het Molengat” hat schon bei schönem Wetter eine starke Strömung. Bei Sturm rast das Wasser mit einem reißenden Tempo durch die Fahrrinne zwischen Texel und Den Helder. Dabei entstehen eindrucksvolle, hohe Wellen mit weißen Schaumkronen. Auch wenn die Fährschiffe inzwischen keine Probleme mehr haben mit stürmischer See, wird ganz bestimmt trotzdem ein leichtes Kribbeln in Ihrer Bauchgegend entstehen, wenn sich der Kaffee in Ihrer Tasse leicht hin und her bewegt. Herrlich, auf nach Texel!

Beobachten, wie die Nordsee den Küstenschutz beim Paal 9 wegreißt

Der Küstenabschnitt beim Paal 9 leidet bei Sturm immer am meisten. Wenn der Wind mit 75 Stundenkilometer oder mehr (Windstärke 9 oder höher) die Wellen gegen das Land schlägt, dann werden oftmals einige Meter Küstengebiet ins Wasser gerissen. Deshalb ist gerade dieser Ort perfekt für alle Sturmjäger. Warum genau dieses Stückchen Küste meistens dran glauben muss, liegt daran, dass die Brandung bei starkem Wind an dieser Stelle besonders heftig ist. Wenn es stürmt, dann kommt der Wind oftmals aus nordwestlicher Richtung, und trifft mit voller Wucht auf den Strand beim Paal 9, in der Nähe des Dorfes Den Hoorn. Im Dezember 2016 konnte man den Strandabschnitt hier nicht mehr betreten, denn es war damals zu viel Küste weggespült worden. Der Strandpavillon ist an dieser Stelle glücklicherweise in sicherer Entfernung gebaut worden, sodass Sie jederzeit eine große, schön warme Tasse Chocolademelk trinken können. Mit Schiffen wird hier in regelmäßigen Abständen neuer Sand auf den Strand gesprüht, damit die Verwüstungen durch die Stürme wenigstens etwas kompensiert werden. Diese Maßnahmen scheinen allerdings manchmal etwas sinnlos zu sein, denn oft ist der monatelang aufgeschüttete Sand nach einem halben Jahr schon wieder von der stürmischen Nordsee weggespült worden.

Dunkle Wolken und eine stürmische See beim Leuchtturm

Im Sturm stehen und von unten die dunklen Wolken beim Leuchtturm und über dem “Eierlandse Gat” (so wird das Stück Nordsee unterhalb des Leuchtturmes genannt) betrachten, das ist nicht nur ein beeindruckendes, sondern gleichzeitig auch ein etwas beängstigendes Spektakel. Nirgendwo auf der Insel merkt man bei Sturm, wie sehr Texel an den Kräften der Elemente ausgeliefert zu sein scheint. Während Sie sich die weißen Schaumkronen auf der dunkelgrauen See anschauen, nimmt Ihnen der stärker werdende Wind den Atem. Jetzt wird Ihnen bestimmt auch bewusst, wie wichtig das Licht des Leuchtturms in stürmischen Nächten, auch in Zeiten von modernen Navigationssystemen, für die Schifffahrt ist.
Warum ist gerade diese Stelle der Nordsee so unberechenbar bei stürmischem Wetter? Wenn Sie vom Leuchtturm aus in Richtung Vlieland schauen, dann sehen Sie dort die Stelle, an der sich zwei Strömungen treffen und zwar die der Nordsee und die des Wattenmeers. Die zwei Strömungen scheinen einen nie enden wollenden Kampf gegeneinander auszutragen und dabei entsteht eine besonders starke Strömung von bis zu fünf Knoten. Das Meer ist an dieser Stelle zusätzlich noch sehr untief und dadurch entstehen richtig hohe Wellen, die von zwei Seiten gegeneinander prallen. Die Sandbänke werden durch diese unruhige See natürlich ständig hin und her geschoben. Schiffer wissen dadurch nie genau, wo sich dort die ideale Fahrroute befindet. Segler, die teilnehmen an der “Ronde van Texel” bekommen es am eigenen Leib zu spüren, wie bedrohlich es an diesem Punkt sein kann, denn selbst bei geringer Windstärke von 4-5 Bft kann es passieren, dass die Strömung kurzzeitig das Ruder übernimmt und die Segler sich ans Meer ausgeliefert fühlen. Die meisten Segelboote haben glücklicherweise keinen hohen Tiefgang und erreichen zu meist ohne Probleme das Wattenmeer. Größere Segelschiffe sind jedoch schon des Öfteren in “De Eierlandse Gronden“ auf Grund gelaufen. Die KNRM rät deshalb nicht ohne Grund, diese Stelle zu meiden, wenn Sie kein erfahrener Segler oder Schiffsfahrer sind. Auch Schiffer aus der Berufsschifffahrt sind hier schon auf Grund gelaufen. Und im 17. Jahrhundert sind sehr viele Schiffe dort gesunken. Bei niedrigem Wasserstand kann man sogar noch die Überreste eines alten Kohleschiffs sehen, das dort im zweiten Weltkrieg mit der kompletten Mannschaft versank. Wenn man sich also an diesem Ort das Meer bei Sturm anschaut, und darüber nachdenkt, wieviel Menschen hier bereits um ihr Leben gefochten haben, dann fühlt es sich gleich noch spannender an. Noch ein Tipp: Gehen Sie doch mal bei Sturm im Dunkeln an diesen Ort. Im Schein des über das Meer wachenden Lichts des Leuchtturms wirkt die Kraft des Sturms noch gewaltiger.

Möchten Sie im Januar oder Februar auf Texel noch den Wind durch Ihr Haar wehen lassen und einen dieser stürmischen Aussichtspunkte aufsuchen? Eins der drei Ferienhäuser auf Texel von Groenendaal Texel kann noch gebucht werden.